Wednesday, 19 February 2014

Farming the Magical Valley







Lieblingsschlafplatz 1 / favorite sleeping place 1



Kompostbau

building the compost palace
I (Heart) Morning Glory

in den Bohnen




Sok River
always connected


Küchenkobra 1
Küchenkobra 2
Küchenkobra 3

Ums Haus
Lieblingsschlafplatz 2

Monday, 30 December 2013

Pictures II

Pantai Baron



 Seaweed Collection / Seegras Sammeln


Lunch!


Wediombo

on the Road

Hello Mister!

around the house / Zuhause



"artist at work"




studio with leaky roof / Kunststudio mit undichtem Dach..


All photos copyleft by Povi.

Gazes Beyond


Spotlight: Mitternacht, Jalan Parangtritis, die Hauptstraße die in mein Dorf führt. Aus Nachlässigkeit und leichtem Alkoholholkonsum geht mir das Benzin aus. Nachts, dunkel gekleidet, ohne Licht oder Handy auf einer Hauptverkehrstraße stehend – ich kann mir sicherere Szenarien vorstellen. Aber gut: Nach Hause sind es 2km, es ist wenig Verkehr und das Motorrad wird schon keiner klauen – in der Stadt schließt schließlich auch niemand die Roller ab. Keine 200m weiter hält eine beräderte, gelb-reflektierende Weste vor mir – der Polizist steigt ab, fragt höflich ob ich mich verlaufen habe und bietet mir nach Erklärung der Situation eine Fahrt zur nächsten Tankstelle an. Keiner von uns trägt den gesetzlich vorgeschriebenen Helm, und das Licht an seinem Motorrad funktioniert ebenfalls nicht. Mein Freund und Helfer: hätte er mich seinerseits beim ohne-Helm-Fahren erwischt, hätte mich das 50ribu Bestechungsgeld oder einen unangenehmen Besuch auf dem Revier gekostet; von meinem nicht existenten Führerschein ganz zu schweigen.

Story: Aus gegeben Anlass möchte ich mich heute mal über die etwas unschöneren Seiten des Lebens in Indonesien auslassen – oder vielleicht über die, die für kurzfristige Besucher weder sichtbar, noch unbedingt relevant sind. Bei längerem hier Leben fallen unbedingt 3 Dinge ins Auge: wie Kleinkriminalität scheinende Banden- fast schon Mafiavorgänge die sich locker bis hoch in die Ministerämter erstrecken, und von Korruption und Schutzgeldern gefüttert werden; religiöser Fundamentalismus bzw. die Diskriminierung von Nicht Moslems, sowie eine etwas allgemeinere Frage nach dem was etwas unsauber gerne “Sichterheit” genannt wird.  Logischerweise füttern diese drei in- und voneinander.
Das mal vorne weg: Indonesien ist sicher. Für weiße Touristen. Anders als in vielen Orten, die bereist habe, fühle ich mich in Jogja wirklich sicher. Wenn ich nachts alleine nach Hause laufe habe ich selten bis nie das Gefühl, mich umgucken zu müssen. Bis jetzt wurde ich nachts wie tagsüber kein einziges Mal blöd angemacht, belästigt oder bestohlen. Das alles war zum Beispiel nachts in Budapest an der Tagesordnung (besonders, wenn man in einer von Neonazis dominierten Gegend wohnt, und Dreadlocks hat). Wiedermal allerdings trügt der Schein. Es fordert genaueres Hinsehen und Aufpassen um bestimmte Dinge zu bemerken.
Nach längerem Aufenthalt in Gegenden Jogjas und Indonesiens, die nicht auf Touristen gepolt sind, beginnen einem gewissen Dinge komisch vorzukommen, fallen bestimme Verhaltenmuster aus der Reihe. In meinem Stammwarung direkt neben der Uni gelegen: der Besitzer Santos, ein grundweg gutgelaunter Mittdreißiger, gerne auf Tischen tanzend zu sehen, versteckt sich auf einmal hinter seinem riesigen Kassiertisch, als zwei stämmige Männer mit langen, in Zöpfen zusammengefassten, öligen Haaren hereinlaufen. Eine geflüsterte Unterhaltung; Gesten, die alles andere als freundlich scheinen. Einer der beiden schaut sich in regelmäßigen Abständen warnend im Warung um: mal gucken, ob einer guckt. Ein Umschlag wird überreicht, einer der beiden klopft (schlägt) Santos noch auf die Schulter und dann sitzen die beiden schon wieder in Ihrem BMW und brausen davon. Übrigens der erste BMW den ich hier sehe.
Auf dem Weg zum Strand: hinter der das Delta überspannenden Brücke versperrt eine rote Schranke die Straße. Letzte Woche war die zwar da, aber offen. Jetzt stehen da Männer in sehr militärisch anmutenden Uniformen (aber ohne sichtbare Waffen), winken einige Fahrzeuge hindurch, halten andere an. Als Weiße werden wir natürlich angestoppt. 20ribu (20000IDR) möchte der Herr von uns haben. Weggeld. Weg-zudiskutieren gibt es da nichts, weil dieser Mann der größten von den zahlenreichen paramilitärischen Vereinigungen des Landes angehört, die unter anderem  in großem Maße den Militärcoup von 1965 getragen haben. Diese spezielle Vereinigung – Pemuda Pancasila - stellt im übrigen den Regierungschef, sowie zwei Drittel aller Minister. Mit diesem Wissen bestückt handeln wir den Herrn auf die Hälfte der Summe herunter, bezahlen und fahren weiter. Einschüchternd, bedrohlich, oder doch nur etwas lästig? 
In einer der wenigen Lokale Jogjas in denen Alkohol ausgeschenkt wird und die nicht der Kategorie „für Touristen gemacht“ angehören: Schon beim reinkommen informiert uns die Bedienung, der Alkohol sei für die nächsten Wochen habis (leer). So erfahre ich, wo der nicht importierte Alkohol in Indonesien überhaupt her kommt, denn als muslimische Provinz, ist die Brennerei auf Java verboten. Natürlich gibt es Schwarzbrenner, die das herstellen, was im englischen als Moonshine bezeichnet wird. Aber die wirklichen Mengen, die später in Läden wie diesem zum Verkauf stehen, werden durch spezielle Lizenzvergebung hergestellt. Einige Dörfer sind als hinduistisch anerkannt, was die Alkoholherstellung religiös legitim macht und ihnen daher staatlich vergebene Lizenzen einbringt. In Solo, ca. 40km von Jogja entfernt gibt es eine solche community. Daher bekommt dieses Lokal seinen Alkohol. Nun ist der Grund für das momentane Fehlen von Alkohol jedoch nicht wie vielleicht anzunehmen, in Rivalitäten über die Lizenzvergabe zu suchen (die es natürlich gibt – Profitgier macht auch vor Moslems keinen Halt). Stattdessen gibt es für die nächsten Wochen keinen Alkohol, weil eine islamisch-fundamentalistische Gruppierung die Zuckerfabrik niedergebrannt hat, aus der die Brennerei beliefert wird. 
Interpretieren kann man dieses, wie auch andere Vorkommnisse aus verschiedenen Perspektiven: zum einen ergibt sich daraus die Frage über die eigene Sicherheit. Prinzipiell kann ich mich weiterhin insofern sicher fühlen, da ich mich bemühe den Weg zwielichtiger Gestalten nicht zu kreuzen (übrigens noch ein Grund, kein Gras zu rauchen oder kaufen). Zu diesem Bemühen gehört auch, mich möglichst von der Polzeit fernzuhalten. Möglicherweise einer der auffallensten Unterschiede zwischen Westeuropa und dem Rest der Welt: Wenn der durchschnittliche Berliner einen Polizisten sieht, fühlt er sich sicher. Wer hier einen Polizisten sieht, sucht pronto das Weite.
Als eine andere, und für mich viel beunruhigende Interpretation der obrigen Vorgänge jedoch, erscheint mir die offene Alltäglichkeit, mit der betrogen, bestohlen, sabotiert und erpresst wird. Über die Verbindungen organisierten Kleinkriminalität und paramilitärischer Verbände zur Politik zu spekulieren erscheint sinnlos, so offensichtlich sind sie. Leichthin  füttert Kleinkriminalität ins organisierte Verbrechen und in den Drogenhandel, welches wiederum von paramilitärischen Verbindungen geduldet, weil profitabel ist; diese wiederrum stellen einen Großteil der Regierungsvertreter, deren mangelnde Diäten durch Schmiergelder und Wahlkampagnenunterstützung nett aufgebessert werden. Eine Win-Win-Win Situation sozusagen...
Auffallend weil ebenfalls offensichtlich ist auch, dass niemand das Kind so beim Namen nennen wird wie ich es hier tue. Niemand wird sagen „diese Männer erpressen Schutzgeld“. Vielmehr höre ich häufig Indonesier vom Phänomen der „businessmänner“ reden – ein ominöser Unterton, aber eben auch eine gewisse Bewunderung, schwingen mit. Ebenfalls sprechen viele Laden- und Kantinenbesitzer gern und viel über die Sicherheit ihrer Lokale und Familien. Meistens höre ich Leute sagen, wie gut es ist, dass menschliche Gemeinschaft, wenn auch für einen Preis, Sicherheit des Geschäfts und der Familie bereitstellt. Kuriose Einschätzung, das.
In der Soziolinguistik gilt es als erwiesen, dass die Terminologie mit der Phänomene und Ereignisse beschrieben werden (die Worte die wir Dingen anhaften) unsere Interpretation der Sinnererfahrungen dieser Phänomene vorwegnimmt. Vereinfacht ausgedrückt: Wenn ich also sage „der Himmel ist blau und das ist so, weil jeder das sagt, auch meine Bücher“, erhebe ich mich selbst dadurch apriori von der Verantwortung, den Wahrheitsgehalt meiner Aussage zu überprüfen. Ich beschließe meine Meinung, bevor ich den Himmel betrachtet habe. An einer US-Amerikanischen Uni gab es dazu mal ein tolles Experiment: mitten in einer Soziologievorlesung rannte auf einmal ein Mann durch den Raum der von einem anderen Mann in Skimaske und mit Messer bewaffnet verfolgt wurde. Der Flüchtende war schwarz, die Identität des zweiten nicht auszumachen. Hinterher sagten 70% der Studenten aus, der Verfolger wäre schwarz, der Flüchtende weis gewesen.    
Vereinfacht ausgedrückt sagt Slavoj Zizek dazu, dass wir zum Beispiel als Tourist in einem Land nur das erkennen, was wir vor Beginn der Reise zu sehen bereit waren. Der menschliche Geist hat eine unglaubliche Gabe, sich selbst zu bescheißen und Wahrnehmung und Wunschvorstellung zu synchronisieren. Wir machen Sinneserfahrungen zu linguistischen Repräsentationen dessen, was wir gerne erlebt hätten. Indem wir es sprachlich rezitieren und daran glauben, wird das subjektiv erwünscht-Erlebte wahr. Glaube versetzt nicht nur Berge, er verändert auch Erinnerungen. Dies ist natürlich eine Verallgemeinerung und kritische Gruppen- und Selbstreflektion kann apriori Urteilen entgegenwirken, geht im Alltag aber leider häufig unter.
Ich erkläre dies, weil ich nicht umhin kann, den Gegebenheiten hier eine ähnlich Interpretation zu geben. Wenn Korruption, Erpressung und Sabotage auf den meisten Ebenen der Gesellschaft an der Tagesordnung sind, hebt sich die Frage nach Recht oder Unrecht auf und wird ersetzt durch das sich-arrangieren. Schließlich leben es einem die Mächtigen des Landes ja vor. Niemand wird von 20Ribu Weggeld unglaublich reich. Und niemand verhungert, weil er es bezahlt. Es geht nicht mehr darum diese Vorgänge anzuprangern oder zu versuchen sie zu ändern, sondern darum, damit zu leben. Sie werden Normalität, und die sprachliche Repräsentation des als normal empfundenen reflektiert diese Realität.
Diese Männer sagen, sie sorgen für die Sicherheit meiner Familie, also erkläre ich was sie tun als Schutz. Für mich ist es einfacher, sicherer und realer zu glauben, dass sie das gegen Gebühr tun, als zu fragen, was sie eigentlich tun. Das ist ein bisschen wie in einem Discounter Kaffee zu kaufen, aber lieber nicht wissen zu wollen, wo der herkommt oder wie er produziert wird. Oder bei Starbucks Kaffee zu trinken und das Gewissen mit dem hypokritischen Versprechen zu beruhigen, 2cent aus jeder Tasse gingen an ein Bildungsprojekt in Nicaragua (zu dem Thema gibt es übrigens gerade einen ungewöhnlich lesenswerten Artikel in der Süddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verteilung-von-nahrungsmitteln-notstand-im-globalen-supermarkt-1.1852376). Jedenfalls werden Unwissenheit, oder aber die Weigerung sich Wissen zu verschaffen, so zu Selbstschutzmechanismen in einer täglich erlebten Realität. Dass solcher Selbstschutz, solches arrangieren nötig ist kann ich gut oder schlecht finden, aber es an irgendjemandem ausser mir selbst zu verurteilen.. das fällt schwer. 

Sunday, 8 December 2013

Of Temples and Temporality


Spotlight: Es heisst, dass jedes Haus auf Bali einen Tempel in sich hat. Was wie ein Vorurteil anklingt, lässt sich bestätigen. Im Gegensatz zu Java, Lombok und den anderen Inseln Indonesiens ist nämlich Balis offizielle Religion der Hinduismus. Kaum zu übersehen, denn am Wegesrand wimmelt es von kleinen und großen Tempeln, irgendeiner Gottheit gewidmet, brennen Räucherstäbchen, tragen Männer wie Frauen gewickelte Sarongs, gibt es Kopftücher höchstens als Sonnenschutz. Der Unterschied sticht aus, kaum zu glauben, dass man sich im selben Regierungsgebiet befindet… Wieso halten Menschen, im Angesicht von Repression and Verfolgung, trotz allem an einer bestimmten Religion oder ihren Traditionen fest?

Story: Anstatt des ohrenbetäubenden Allahu akbar der Moscheen in Jogja gibt es auf Bali zum Sonnenaufgang lediglich die sanften Gongs hinduistischer Trommeln, die zur Morgenandacht rufen. Alkohol wird überall zum Verkauf angeboten und die Inseldelikatesse ist Suckling Pig – eine Art Spanferkel das über Bananenblättern geräuchert wird. Im Garten jedes Hauses steht eine kleine, steinerne Andachtsstelle, an die Obst als Opfergabe gestellt und mit Blumen und Räucherstäbchen geschmückt wird. All das auf Java? Undenkbar. Vielleicht ist Bali auch deshalb Touristenparadies. Wenn man der Geschichtsshreibung glauben schenken darf, waren vor Ankunft der Moslems ein Großteil der Menschen auf Java Hindus. Jene, die ihre Religion nicht aufgeben wollten, flohen anstatt zu konvertieren in das damalige Königreich Bali. Bis heute hat die Insel einen besonderen Status in Indonesien, sowie den Ruf abtrünnig, ungewöhnlich zu sein. Während der Verfolgungen des Suharto Regimes, wurden Balinesische Hindus, anders als Christen und Kommunisten nur verfolgt, wenn sie ausserhalb Balis ihre Religion propagierten.
Häufig ist es schwierig, Traditionen auf ihre Herkunft zu erkunden. Diesbezügliche Fragen werden mit althergebrachten, etablierten Erklärungen abgeschrieben. “Weil das eben so ist” oder “das haben wir schon immer so gemacht” sind zwar Begründungen, aber doch keine Gründe und daher frustrierend für den, der die Geschichte oder historischen Hintergründe für bestimmte Verhaltenmuster erfahren möchte. Zumal die Frage nach dem Warum eine sehr europäische zu sein scheint. Getreu dem Englischen Sprichwort: Don’t fix what ain’t broken (Es gilt nicht zu reparieren, was nicht kaputt ist), scheint die indonesische Begründung für viele Verhaltenmuster ein simples: „Naja, es funktioniert doch, oder?“ zu sein. Stimmt, funktionieren, tut es. 
Ein Beispiel: Seit Generationen, so wird mir erklärt, pflanzen Reisbauern ihre Setzlinge von Hand in die Felder. Und jetzt, in der mittleren Regenzeit kann man in der Tat Männer und Frauen in geflochtenen Strohhüten auf den Feldern beobachten, wie sie über Stunden motorisch Stängel auf Stängel in die sumpfige Erde drücken. Wieso dieser Aufwand? – Vor fünfzig, sechzig vielleicht hundert Jahren hat das Unterfangen durchaus Sinn gemacht; indem man aus der Saat unter Glas und Beobachtung Setzlinge zieht stellt man sicher, dass Vögel die wertvollen Körner nicht stehlen. Aber heutzutage, und vor allem in den dichtbevölkerten, suburbanen Gebieten Javas, wo es nur wenige, stark zerstückelte Reisfelder gibt, sind Vögel Mangelware. Außerdem wächst in der Regenzeit alles so schnell, dass die Körner nachdem sie der Erde zugeführt werden, allerhöchstens 2 Tage zum Keimen und Austreiben brauchen. Die Bananenpalme vor dem Haus produziert schließlich auch jede Woche neue Früchte.
Trotzdem ist also die Antwort auf Fragen nach der Reisanbautradition „weil die Vögel sonst immer die Körner stehlen“. Dabei sehe ich nie Vögel auf den Feldern. Dies ist nicht nur der Ausrottung ihrer Lebensräume, sondern auch einer weiteren, in diesem Fall ausnehmend muslimischen Tradition zuzuschreiben. Vögel, und Singvögel im Besonderen bringen Glück. Und so werden die Tiere in fast jedem Haushalt als Talisman oder Glücksbringer in kleinen Käfigen vor den Eingang gehängt. Als Tierschützer kann man sich über diese Tradition aufregen und wahrscheinlich zu recht. Aber das vielleicht größere Problem rührt daher, dass niemand diese Vögel züchtet, sondern sie stattdessen aus der Natur gefangen werden. So sehe ich häufig morgens im Garten Männer mit Betäubungsgewehren auf Bäume schießen. Da wilde Sing- und tropische Vögel auf Java inzwischen zu wahren Raritäten geworden sind, werden jetzt auch Meisen, Schwalben, sogar Krähen in Käfige verfrachtet – Hauptsache, die Nachfrage an Glücksbringern kann gedeckt werden.
Seltsam klingt an, dass Vögel in Käfigen Glück bringen, in freier Wildbahn und in den Bäumen vor dem Haus aber nicht? Wie anders ist da wiederum Bali. Wahrscheinlich allgemein gekannt: Hindus predigen den Respekt vor allen lebenden Dingen. So ist es vollkommen normal, eine jahrtausendealte Tempelanlage zu besuchen und in ihr zwischen Affen sitzende, betende Hindus anzutreffen. Die Warumfrage dieses Mal bezeichnender beantwortet: „Die Affen waren schließlich zuerst hier“. Ebenfalls werden Bäume, Sträucher und Büsche, die sich in Steinnischen festsetzen nicht entfernt, sondern zum Teil des Tempels – „nicht nur war die Natur zu erst hier, sie hat auch das Recht zu existieren, wo immer es ihr passt“. Interessanterweise sind in der Indonesischen Landessprache, wie auch im Javanesischen die Worte für Natur (Alam bzw. Watak) männlich, im Balinesischen jedoch weiblich: Sampa.
Andererseits kennt keiner dieser Sprachen ein Wort für Umwelt, was das Unterrichten von Umweltbildung wirklich schwierig macht. Wie macht man die Übersetzung eines Wortes greifbar für das es in der Sprache (und damit im Verständnis) der Leute kein Equivalent, nicht einmal Andockpunkte gibt. Was für einen Sinn hat es, über Recycling, Kompostierung und Umweltschutz zu sprechen, wenn die Idee einer Umwelt für die man Verantwortung trägt, so weit weg ist wie für Europäer die Frage nach Selbstversorgung. Geh nach Europa und sag irgendwem, er soll seinen Reis (seine Kartoffeln) selbst anbauen – der folgende Blick kommt ungefähr dem gleich, was man hier auf die Aufforderung nach Umweltschutz erfährt: Unverständnis, Irritation, die Frage ob man vielleicht Fieber hat, oder sich kurz hinlegen möchte.
Es lässt sich nicht mit meinem Welten- oder Menschenverständnis vereinbaren, eine Religion für ausbeutungswütiger als eine andere zu halten. Auch glaube ich, dass solche Interpretation nur Teilansichten einer komplexeren, nicht unbedingt wiedergebbaren Realität sind und daher kurzgefasste Verurteilungen nicht genug tun. Zum Beispiel wird auf Bali das meiste Essen importiert, während sich Java noch teils selbst versorgt. Auch ist Bali Touristenhochburg, was neben jeder Menge Müll auch reichlich Geld ins Land bringt und Priviligiertenbeschäftigungen wie Recycling zulässt. Trotzdem scheint es unabstreitbar, dass sich Traditionen und Verhaltensmuster der beiden Inseln in Punkten unignorierbar unterscheiden. Beides zu beobachten und zu vergleichen ist lehrsam; das Problem ist, nicht auch im gleichen Schritt zu verurteilen. Auch daher rührt das Bedürfnis, die Gründe für Verhalten und Tradition zu erfahren, denn wer Hintergründe kennt, kann eher verstehen, eher Empathie empfinden.

Monday, 11 November 2013

Regenzeit (in German)


Spotlight: Blätterdach, grünes Dämmerlicht und der Geruch von vermoderndem Laub. Wie im Regenwald zur Regenzeit nicht anders zu erwarten regnet es. Sturzbachartig fallen innerhalb weniger Stunden ganze Seen vom Himmel. Einzelne Tropfen sind nicht mehr auszumachen – und auch der gern gezogene Vergleich mit Wasserschnüren tut nicht genug. “Eimerweise” trifft es eher. “Behutsam schleicht sich die Regenzeit ins Land”, schreibt Edwin Evers zum Beginn des Monsuns in seinen Annalen über Südostasien. Ehrlich gesagt weis ich nicht, was an diesem Regen behutsam sein soll. Straßen verwandeln sich in reißende Bäche, die eigentlichen Bäche in weite Ströme voll Abfall und Dreck und in unseren Kunststudio mit undichtem Dach kann man Papierböotchen fahren lassen. Seit es vor 2 Wochen das erste Mal geregnet hat, bin ich nicht mehr richtig trocken gewesen. 


Story: Ja, Regenzeit. Es soll keiner sagen, sie wären nicht gewarnt worden. Und trotzdem übertrifft das hier Erlebte sämtliche Erwartungen. Auch deshalb, weil trotz aller Widerlichkeiten, das Leben einfach weiter geht. Wenn man, mitten auf der Strasse von einem Gewittersturm überrascht wird (was, nebenbei bemerkt wirklich schwierig ist, weil es jeden Tag ca zur gleichen Zeit regnet), fährt man eben kurz links ran und wirft sich einen Poncho über. Nass wird man darunter zwar trotzdem, aber immerhin frieren tut man nicht. Dazu kommt, dass man sich an die Nässe wirklich gewöhnt. Dann wird man eben regelmäßig nass; wirklich kalt ist es nicht und was solls, ist ja nur Wasser. Es ist ja nicht so, dass es den ganzen Tag regnet – aber bei 95% Luftfeuchtigkeit seine Klamotten, die Wohnung oder das Motorrad trockenen lassen zu wollen, ist trotzdem utopisch.
Sich den Spass nicht nehmen lassen – das scheint das unausgesprochene Motto des Monsuns zu sein. Und so sitzen wir Freitag Mittag trotz grauem Himmel und schwarzen Wolken auf dem Motorrad und fahren Richtung Natur. Im Regenwald angekommen heisst es dann: feste Schuhe an, Hut auf und aufpassen, wo man hintritt. 200km von Jogja entfernt und weit weg vom Handyempfang kommen weder Rettungsdienst noch Notarzt, sollte man auf einen Skorpion treten oder von einer Giftschlange gebissen werden. Also Vorsicht. Hinzu kommt, dass ich überhaupt nicht einschätzen kann, wie real die Ängste unseres Tourguides sind, gebissen, bestocken oder anderweitig verletzt zu werden. Auch fallende Kokusnüsse sind ja bekanntlich eine große Gefahr für den ungewappneten Reisenden.
Kaum betreten, verwandelt sich der Wald in eine Oase aus grünen Lichtern, verlockenden Geräuschen und abschreckenden Gerüchen. Wahre Kübel fallen vom Himmel und verwandeln den vorher harten Boden in Sumpf. Vor uns öffnet sich das Dickicht in eine Lichtung aus deren dumpfen Grau Nebel zu aufzusteigen scheint. Doch die Feuchtigkeit vor uns kommt zwar von oben, aber nicht vom Himmel – aus Sandstein, Schlamm und Lianen schälen sich die Konturen einer gigantischen Felswand, an deren Abhang donnernde Bäche in die Tiefe stürzen. Die aufsteigenden Wasserpartikel sind so dicht, dass man weder die Hand vor Augen, noch die potentielle Schlange über sich ausmachen kann. Das Erlebnis im Monsunregen und Nebel im See unterhalb eines Wasserfalls schwimmen zu gehen, verlangt fast nach einer neuen Definition für das Wort “nass”. Jedenfalls spare ich mir so die heutige Dusche.
Auf Grund der feuchten Hitze habe ich mir in den letzen Wochen auch einige dieser typisch tropischen Pilz- und Hautinfektionen eingefangen: außer dem ewigen Jucken eigentlich keine schlimme Angelegenheit, wenn man es denn schafft sich nicht die eigene Haut wegzukratzen. So stelle ich aber auch fest, wie schwierig es ist, sich bei unendlichem Schwitzen und der Abwesenheit heißer Duschen wirklich sauber zu halten. Zwar ist es jeden Tag so heiß, dass warme Duschen irgendwie unsinnig klingen. Aber irgendwie, irgendwann muss der Dreck ja mal ab. Eine Freundin erklärt, wie Indonesier mit dem Feuchtigkeitsproblem umgehen. Die reiben sich nach jeder Mandi (Dusche/Waschen) großzügig mit Babypuder ein. Das dämmt die Feuchtigkeit, und pflegt ausserdem die Haut. So bleibt meine geliebte Niveamilch jetzt also unbeachtet stehen, während ich pro Woche ca 500g Baby verpudere. Nebenbei: Wenn Olivenöl aus Oliven gemacht ist, und Palmöl aus Palmen – wodraus wird dann Babyöl gemacht? Naja.
Auch besuche ich in Jogja zum ersten Mal in meinem Leben ein Fitnesszentrum. Allerdings weniger wegen der Fitness, sondern eher, weil es da einen Pool, heiße Duschen und einen Whirlpool gibt, der sich zur Badewanne umwandelt lässt. In einer mir bisher unbekannten Anwandlung des Europäer-seien-wollens, gehe ich nun also mehrmals die Woche schwimmen und danach heiß duschen oder baden. Vielleicht fühle ich mich auch deshalb von dem Laden angezogen weil es dort vollkommen akzeptabel ist, in Bikini schwimmen zu gehen. Überall anders in Indonesien, oder zumindest auf Java, wo die meisten Einwohner Muslime sind, geht niemand in weniger als Tshirt und Hose schwimmen – häufig gesehen bei Frauen wird auch der Burkini (bei Interesse mal googlen). Zwar schimpft niemand, wenn man im Bikini schwimmen geht, aber man wird abwertend, bisweilen grundheraus hassvoll betrachtet. Und fotografiert. Und so komme ich mir in Schwimmsachen unangenehm gerührt, fast irgendwie ungehörig vor.
Das mit dem Fotografieren ist so wieso so eine Sache. Indonesier lieben Fotos. Egal von was, mit wem, oder welche Qualität. Alles wird dokumentiert, ausgezeichnet, aufgenommen. Da ich als Bule (weißer Ausländer) natürlich auffalle, ist es beinahe unmöglich, auf Java irgendwo hinzugehen, ohne von allen Seiten angesprochen und um ein Foto gebeten zu werden. Beim Verlassen des oben beschriebenen Wasserfalls gibt es eine solche Situation. Kaum erkennt die Gruppe Indonesier vor uns, dass wir Weiße sind, kommen 20 Kameras auf uns zu, Rufe von „miss, Photo; Miss Photo!“ strukturieren für die nächsten 10 Minuten die Szene. Am Anfang wirkt eine solche Popularität schmeichelnd. Aber das Problem ist nicht nur, dass es nie bei nur einem Foto bleibt, sondern auch, dass ein nein als Antwort nicht akzeptiert wird. Sage ich nein und gehe weiter, werde ich trotzdem fotografiert – zerren Kinder und Frauen an meinen Armen, bis ich mich umdrehe und von einem Blitz geblendet werde. Wütend werden hilft nichts. Und trotzdem kann ich nun nachvollziehen, wie mein Kongolesischer Freund sich in einer niederländischen Kleinstadt gefühlt hat, als er sinnreich bemerkte: „Die Leute behandeln mich, als wäre ich ein Zirkustier; oder bestenfalls eine Touristenattraktion“.
Und irgendwie, irgendwo vermisse ich dann eben doch Europa. Nicht das Wetter, oder die Landschaft, oder die sich ewig beschwerenden Menschen. Vielmehr vermisse ich, was im Anthropologie-Jargon eine Kosmologie genannt wird: die Sicherheit eines  kulturellen und sozialen Miteinanders in dem man nicht nur die Spielregeln beherrscht, weil man in die Gesten und Verhaltensmuster sozialisiert wurde und gelernt hat, ihnen zu implizit vertrauen, ja sie sogar wiederzugeben. Sondern auch die Sicherheit, dass ein Großteil der Menschen um mich herum, die eigene, grundlegende Weltanschauung teilen, sodass wir eine Basis haben auf der kommuniziert und diskutiert werden kann, ohne vorher Ewigkeiten mit Erklären zu Verbringen. Denn trotz allem Lernens über Java und der Offenheit gegenüber dieser anderen Kosmologie, in die einzutreten ich mich in der Lage und willens sehe.. trotz allem habe ich manchmal das Bedürfnis, nicht auf immer der Hut sein und auf Zehenspitzen zu gehen, oder ewig lächeln zu müssen.
Sicherlich, ich habe inzwischen gelernt, in jedem Raum immer zuerst die Männer zu begrüßen, sie jedoch nie ohne Aufforderung zu berühren; Geld und Essen nur mit der rechten Hand entgegen zunehmen oder zu geben; beim überqueren der Strasse mit der linken Hand scheuchende Bewegungen zu machen, um nicht überfahren zu werden, mich zum Dank und Abschied mit aneinander gelegten Händen zu verbeugen, beim Sitzen niemals die Füße auf andere zu richten, meine Fußsohlen nicht zu zeigen, älteren Männers nicht in die Augen zu sehen.... Aber wenn ich mit Kopfschmerzen und Kater aufwache, einfach nur Hunger habe und einen Kaffee will – dann bin ich in dem Moment weder willens, noch in der Lage mir über die gefühlten 2 Millionen Dinge Gedanken zu machen, die wichtig sind, wenn ich über die Strasse und zum Warung (Katine) gehe. 

Monday, 4 November 2013

Bilder! Pictures!

Auf den Strassen Yogyakartas / streets of Yogya
(copyleft by Runi Mara)





Batik classes 



Allgegenwärtig: Reisfelder

Fähre

Mangroves

Karimun Jawa

Got Jesus?


Pulau Cemara Kecil

Javanese Cockfight




rice fields at our house

copyleft by Runi Mara
Pantai Kukup

Hindu Temples